Revision eingelegt: Der Herner Voodoo-Prozess beschäftigt BGH

Herner Voodoo Prozess beschäftigt BGH | Strafrecht Dortmund | Rechtsanwalt Jens Jeromin

Ein Fall von Menschenhandel und Zwangsprostitution, bei dem die Opfer per Voodoo-Ritual gefügig gemacht wurden, zeigt eindrücklich, mit welchen Mitteln kriminelle Banden ihre Opfer unter Kontrolle halten – und wie ein Strafverfahren über mehrere Instanzen gehen kann.

Das Urteil des Landgerichts Bochum

Am 27. September 2019 verurteilte das Landgericht Bochum sechs Angeklagte wegen Menschenhandels und Zwangsprostitution. Die Bande hatte junge Frauen aus Nigeria angeworben, sie vor der Ausreise vor einem Voodoo-Priester einen rituellen Schwur ablegen lassen und sie anschließend in Bordellen in Dortmund, Castrop-Rauxel, Dorsten, Selm und Umgebung zur Prostitution gezwungen – bis angebliche Schleusungskosten von rund 25.000 Euro pro Frau abgearbeitet waren. Der als Kopf der Gruppe geltende 34-Jährige erhielt mit acht Jahren und drei Monaten Haft die höchste Strafe, vier weitere Angeklagte wurden zu Haftstrafen von bis zu vier Jahren verurteilt, ein Angeklagter zu 15 Monaten auf Bewährung.

Der Voodoo-Schwur als Druckmittel

Um Gehorsam zu erzwingen, mussten die betroffenen Frauen bereits vor ihrer Ausreise aus Nigeria vor einem Voodoo-Priester einen rituellen Schwur ablegen. Dieser sogenannte Juju-Schwur erzeugte bei ihnen erhebliche Angst vor den Folgen eines Ausstiegs oder einer Zusammenarbeit mit der Polizei – ein in solchen Menschenhandelsfällen immer wieder beobachtetes Muster.

Revision zum Bundesgerichtshof

Zwei der sechs Verurteilten legten im Oktober 2019 Revision gegen das Urteil des Landgerichts Bochum ein. Der Fall ging damit vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe, der das Urteil ausschließlich auf Rechtsfehler überprüft.

Was bedeutet eine Revision beim BGH?

Anders als eine Berufung prüft die Revision ein Urteil nicht auf neue Beweise, sondern ausschließlich auf Rechtsfehler. Der Bundesgerichtshof kontrolliert also, ob die Vorinstanz die Gesetze richtig angewendet und das Verfahren korrekt geführt hat. Jeder Verurteilte hat unabhängig von der Schwere des Vorwurfs dieses Recht auf eine rechtliche Überprüfung seines Urteils – eine der wichtigsten Garantien unseres Rechtsstaats.

Meine Rolle als Verteidiger

Als Strafverteidiger vertrete ich ausschließlich die Interessen meines Mandanten, unabhängig von der öffentlichen Wahrnehmung eines Falls. Das gilt auch bei Vorwürfen, die wie in diesem Verfahren besonders schwer wiegen.

Gerade in solchen Fällen ist eine sorgfältige rechtliche Prüfung jedes Urteils unverzichtbar, bis zur letzten Instanz. Deshalb habe ich meinen Mandanten durch das gesamte Verfahren begleitet, von der ersten Vorladung bis zum rechtskräftigen Abschluss beim Bundesgerichtshof.

Aktuelle Neuigkeiten