Bußgeldkatalog 2023: verschärfte Sanktionen für Geschwindigkeitsverstöße, Handynutzung und Umweltverstöße. Neue Regeln für Fahrräder, E-Scooter und Rettungsgassen stärken Verkehrssicherheit und Umweltschutz erheblich.
Quelle: Süddeutsche Zeitung GmbH | Nach Mammutprozess: Tankestellen-Schläger zu langer Haft verurteilt
Nach fast einem Jahr Hauptverhandlung hat das Landgericht Regensburg eines der aufwendigsten Verfahren der vergangenen Jahre abgeschlossen. Der Fall zeigt, wie unterschiedlich ein Gericht die Rolle einzelner Beteiligter bei ein und derselben Tat bewerten kann.
Der Tatvorwurf
Ursprünglich elf Angeklagten wurde zur Last gelegt, im November 2023 auf dem Gelände einer Tankstelle in Hemau zwei Brüder in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken mit Schlagwerkzeugen, insbesondere Eisenstangen, schwer verletzt zu haben – mit dem Ziel, deren Tod herbeizuführen. Auslöser soll ein Streit am Arbeitsplatz eines der Angeklagten mit einem Bekannten der beiden späteren Opfer gewesen sein. In 49 Verhandlungstagen musste die Jugendkammer I des Landgerichts Regensburg klären, ob und in welchem Umfang die einzelnen Angeklagten an der Tat beteiligt waren und ob dabei Tötungsvorsatz vorlag.
Das Urteil vom 30. Januar 2026
Am Ende stand ein Urteil, das die unterschiedlichen Tatbeiträge sehr differenziert bewertete: Drei Angeklagte wurden wegen gefährlicher Körperverletzung zu Gesamtfreiheitsstrafen zwischen sechs und sieben Jahren verurteilt. Zwei weitere, zur Tatzeit noch heranwachsende Angeklagte erhielten für dasselbe Delikt Jugendstrafen von fünf beziehungsweise sechs Jahren und sechs Monaten – bei ihnen sah die Kammer einen strafbefreienden Rücktritt vom Tötungsversuch als erwiesen an. Ein weiterer Angeklagter wurde wegen unterlassener Hilfeleistung zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, zwei heranwachsende Angeklagte, einer davon von Jens Jeromin verteidigt, erhielten für denselben Vorwurf einen vierwöchigen Jugendarrest. Ein bereits im Oktober 2025 abgetrennt verhandelter Angeklagter war ebenfalls wegen unterlassener Hilfeleistung zu neun Monaten Haft verurteilt worden. Zwei Angeklagte wurden vollständig freigesprochen; ihnen steht eine Entschädigung für die erlittene Untersuchungshaft zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Was bedeutet „unterlassene Hilfeleistung“?
§ 323c StGB bestraft, wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr nicht hilft, obwohl ihm das zumutbar wäre – unabhängig davon, ob man selbst an der eigentlichen Tat beteiligt war. Im Regensburger Verfahren betraf das mehrere Angeklagte, denen die Kammer keine aktive Beteiligung an den Verletzungshandlungen nachweisen konnte, denen aber vorgeworfen wurde, das Geschehen nur beobachtet und den verletzten Nebenklägern nicht geholfen zu haben.
Die Verteidigung
In diesem Verfahren war Rechtsanwalt Jens Jeromin als Verteidiger tätig. Gerade bei einer so großen Zahl an Angeklagten mit völlig unterschiedlichen Tatbeiträgen zeigt sich, wie wichtig eine eigenständige, auf den jeweiligen Mandanten zugeschnittene Verteidigungsstrategie ist – losgelöst von der Bewertung der Hauptangeklagten.
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